Im Frühling 2007 haben wir Ihnen über den angehenden Fantasy-Autor Stephan R. Bellem berichtet. Neben schriftstellerischen Tätigkeit hatten wir auch die Möglichkeit, Ihnen seine Private Seite etwas näher zu bringen. Welche Erwartungen und Gedanken hat ein junger Mensch, der es zum Schriftsteller geschafft hat - diese Fragen standen im Zentrum. Nun, fast ein halbes Jahr danach, ist sein Buch erschienen. Wir haben uns erneut mit Stephan R. Bellem zusammengesetzt und Bilanz gezogen.
Bücherwahn: Du hast Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet und nun hältst du es in den Händen – dein Buch.Der Traum ist Wirklichkeit geworden. Wie war es für dich, als du nun dein Werk – sozusagen in Fleisch und Blut – vor dir hattest?
Stephan R. Bellem: Das war schon ein sehr bewegender Moment. Ich saß lange da und habe es mir einfach nur angesehen. Es fühlt sich aber irgendwie seltsam an, auch heute noch. Ich blicke ins Regal und sehe dort meinen Namen. Das ist noch immer etwas ganz Besonderes.
Dein Buch ist nun schon seit einigen Wochen erschienen. Wie hast du die Zeit seither erlebt?
Die Zeit verging wie im Flug. Ich habe ja auch ständig an Teil 2 gearbeitet, also ist da nicht viel mit Verschnaufpause gewesen. Momentan läuft eine Buchbesprechung auf einer anderen Literaturseite und da hat es natürlich großen Spaß gemacht mitzuwirken. Man sieht, welche Elemente funktioniert haben, welche Hinweise zu subtil waren und so weiter.
Und nun der Griff nach dem Weltruhm?
Ach, ich bin schon zufrieden, wenn sich das alles in den nächsten Jahren ganz normal weiterentwickelt. Weltruhm ist ne feine Sache, aber unbehelligt zu bleiben ist auch nicht zu verachten.
Warst du mit deiner Arbeit zufrieden, nun da das Buch gedruckt war und du nichts mehr ändern konntest?
Ja. Und Nein. In dem Moment, wenn du es selbst wieder liest, und der zeitliche Abstand mal wieder groß genug ist, würdest du es auch wieder stellenweise ändern. Aber nur Kleinigkeiten. Insgesamt bin ich mehr als nur zufrieden damit.
Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, vor allem deine Studienkollegen, nun da sie einen richtigen Autor in ihrer Klasse haben?
Ich glaube, die wenigsten von denen wissen, dass ich Schriftsteller bin. Mein sonstiges Umfeld reagiert da auch nicht sonderlich drauf. Es ist eben meine Arbeit. Es ist auch mein Traumberuf und somit hoffe ich natürlich auch auf Erfolg, aber wer wünscht sich das denn nicht?
Gab es Leute, die nie daran geglaubt haben, dass dein Buch erscheint? Wie reagierten diese, wie reagiertest du?
Wenn es diese Leute gibt, dann haben sie sich mir nie zu erkennen gegeben.
Dein Buch ist ja im Otherworld Verlag erschienen, einem eher kleineren Verlag. Wie sieht es da mit der Werbung aus? Habt ihr gezielte Werbeaktionen durchgeführt, oder verlasst ihr euch auf die Mundpropaganda?
Ich selbst habe mit solchen Dingen ja wenig zu tun, da es sich hierbei um verlagsinterne Entscheidungen handelt. Ich weiß allerdings, dass der Verlag werbemäßig in den einschlägigen „Fan-Medien“ unterwegs ist, also Virus, Nautilus und Phantastisch. Und natürlich bin ich selbst in einigen Foren unterwegs, dort allerdings nicht nur zu Werbezwecken, sondern auch als normaler User.
Du hast ja jetzt auch schon deine erste Vorlesung gehabt. Nervös?
Ein wenig, ja. Erstaunlicherweise hören die Leute im Publikum kleine Versprecher meist gar nicht, die einem selbst sauer aufstoßen. Ansonsten war die Lesung gut besucht und ich hatte wirklich eine Menge Spaß auch danach noch mit einigen Zuhörern zu reden. Nächstes Jahr kommt definitiv mehr in dieser Richtung.
Aus Berichten von dir liest man, dass du auf Buchcons nun auch vermehrt mit anderen Autoren in Kontakt kommst. Wie ist es für dich, wenn du Leute wie Hohlbein oder Heitz triffst? Hat man da eine gewisse Ehrfurcht oder sind das einfach Berufskollegen für dich?
Ich muss gestehen, dass ich mich etwas genierte Wolfgang Hohlbein direkt anzusprechen und ihn zu fragen, ob er sich noch an die Lesung in meiner Schule vor zehn Jahren erinnert.
Solche Berührungsängste sind aber völlig unbegründet. Gerade auf der Frankfurter Buchmesse habe ich jede Menge nette Kollegen kennen gelernt. Der Kreis der Fantasy-Autoren in deutschland ist, meiner wenigen Erfahrungen nach, eher familiär denn elitär.
In den Vergangenen Jahren warst du als Leser auf solchen Veranstaltungen, nun bist du es als Autor. Siehst du nun das Ganze durch andere Augen?
Man hat natürlich selbst viel mehr Einblicke in die Hintergründe, sicherlich. Man steht nun nichmehr nur auf der Seite des Zuschauers. Im Februar bin ich mit vielen tollen Kollegen auf der MeCon. Und ich freue mich schon jetzt darauf mit ihnen gemeinsam für Andere ein unterhaltsames Programm zu füllen.
Als Autor eines Buches wird man zwangsläufig auch mit Kritik konfrontiert. Wie begegnest du solcher, vor allem, da es für dich wohl eher neu ist?
Kritik ist natürlich immer heikel. Zu Beginn hatte ich den Drang mich ständig zu rechtfertigen und jeden Kritiker vom Gegenteil zu überzeugen. Heute lasse ich das mal schön bleiben. Geschmäcker sind verschieden und jeder versteht einen Satz auf eine andere Weise. Dem Großteil der Leute gefiel das Buch und damit scheine ich auch irgendwas richtig gemacht zu haben. Ich warte nun schon gespannt auf die Reaktionen zum „Amulett“
Natürlich erhälst du auch viel Lob. Was war das bisher schönste / ehrlichste Lob, was du erhalten hast?
Hmmm, schwere Frage. Ich denke die ehrlichsten Lobe kamen von meinem Verleger und meiner Agentin. Denn beide hätten nichts davon, dir zu einem Text zu gratulieren, den sie in Wahrheit als nicht gelungen erachten. Aus der kleinen Fangemeinde kam das schönste, nämlich, dass man über den Roman hin erkennt, wie ich selbst mit meinem Werk gewachsen bin. Dies ist das schönste, weil ich es auch genau so empfand.
Durchstreifst du oft das Internet, auf der Suche nach Berichten, oder Besprechungen über dein Buch?
Hin und wieder, ja. Aber schon deutlich seltener als zu Beginn.
Nach deinem Erstling „Tharador“ hast du es geschafft bei einer Agentur für phantastische Literatur einen Vertrag für ein neues Projekt abzuschliessen. War es für dich, nun da du dein erstes Buch veröffentlicht hast, einfacher an einen solchen Vertrag zu kommen?
Die Veröffentlichung spielt da kaum eine Rolle. Das neue Projekt ist ja schließlich eine ganz eigene Geschichte und die muss von sich aus überzeugen. Und der Agent muss davon überzeugt sein, dass der Schriftsteller auch imstande ist das Konzept umzusetzen. Bei Schmidt & Abrahams und mir hat es eben in allen Punkten gepasst, auch was unsere jeweiligen Vorstellungen der gemeinsamen Zusammenarbeit angeht. Und jetzt sind wir alle ziemlich gespannt, wann der Samen aufgeht, sozusagen.
Wie war das? Hast du die Agentur angesprochen, oder sie dich?
Ich traf meine (zu dem Zeitpunkt zukünftige) Agentin, Natalja Schmidt, auf einer Lesung von Christoph Hardebusch. Es ist ja kein Geheimnis, dass Christoph, ich, sowie die Agentur alle in Heidelberg ansässig sind. Und so groß ist die Stadt dann auch wieder nicht. Unsere Begegnung war also unausweichlich *lacht*.
Ich erzählte Natalja von einigen meiner Ideen und so kam man locker ins Gespräch. Dann habe ich durch Textproben und ausformulierte Konzepte nachgelegt und wir wurden uns einig. Mir gefällt die Zusammenarbeit sehr gut. Die Agentur ist sehr erfolgreich, aber dennoch nicht zu groß. Man hat als Autor nicht das Gefühl, in einer Masse aus Kollegen verloren zu gehen, das ist mir persönlich immer sehr wichtig.
Hast du dich schon dabei ertappt, dass du in Buchhandlungen nach deinem Buch gesucht hast?
Bisher noch nicht. Liegt aber auch daran, dass Otherworld erst ab 2008 flächendeckend im deutschen Buchhandel vertreten sein wird. Dann werde ich sicherlich mal getarnt eine Buchhandlung betreten und mich zu einem Buch beraten lassen. Oder ich werde sie ganz einfach alle signieren und mich erst beim letzten Buch zu erkennen geben.
Du schreibst ja über klassische Fantasythemen wie Gut gegen Böse, Orks, Elben, Zwerge und Zauberei. Auch dein nächstes Projekt „Lichtweber“ beschäftigt sich unter anderem mit Orks.
Besteht nicht die Gefahr, dass dein Buch nur ein weiterer Tolkienaufguss ist?
Tolkien-Aufguss. Das ist doch wieder so ein Begriff, den ihr Literaturkritiker aufgebracht habt. Heute wird alles als Klischeehaft abgestempelt oder Tolkien hier und da. Ich halte von derlei Vergleichen leider gar nichts. Jedes Buch ist anders. Jede Geschichte neu. Äußerlichkeiten der Rassen sind nichts weiter als Äußerlichkeiten und austauschbar. Ich kann anstelle von Elfen auch eine edle Katzenartige Rasse nehmen. Habe ich dann etwas gewonnen? Ich habe eine neue Hülle für die gleichen Werte und Wesenszüge, die diese Rasse dann vertritt.
Das Problem geht in meinen Augen aber noch tiefer. Wenn ich einen Kontinent mit edlen Orks, sadistischen Elfen, grausamen Zwergen und handwerklich begabten Goblins fülle, dann bediene ich im Endeffekt die gleichen Erwartungen an die vorhandenen Rollen in einer Geschichte, nur eben mit anderen Äußerlichkeiten.
Also knapp, nein, ich habe keine Angst davor ein weiteres Buch mit Orks zu füllen. Zumal mir die Orks auf Kanduras durchaus gut gelungen sind, und sie sehr gut mit den Erwartungen des Lesers gebrochen haben.
Wie sieht es mit deiner Zukunft aus? Bleibst du beim Genre des High Fantasy treu, oder möchtest du auch andere Wege beschreiten?
Ich beschreite schon andere Wege, kann dazu aber noch nichts Konkretes sagen. Fest steht nur, dass ich der Fantasy treu bleibe.
Viele Leute denken ja, dass jemand der ein Buch geschrieben hat, sich automatisch eine Villa mit dazugehörigen Luxusgütern wie Autos, Privatjets, usw. leisten kann. Wie sieht es bei dir aus, schon eine passende Villa gefunden?
Sicher habe ich das. Jetzt suche ich nur noch meinen Geldbeutel mit den ganzen Millionen.
Nun ist das erste Buch draussen, und das zweite scheint schon so gut wie fertig zu sein. Wie motivierst du dich zum Weiterschreiben anstatt dich auf deinen Lorbeeren auszuruhen?
Der Wunsch bis zu meinem 30. Geburtstag jedes Jahr ein Buch zu veröffentlichen hilft da ungemein. Aber auch so steigt meine Motivation mit jedem getippten Wort. Ich sehe, was ich bisher erreicht habe, und möchte mehr. Ganz banal ehrgeizig eben.
Nun, als richtiger Autor, hast du auch diverse Schreibtermine einzuhalten. Wie schaffst du das, neben deinem Studium? Besteht da nicht die Gefahr eines Burnouts?
Nein, höchstens einer Sehnenscheidenentzündung. Bisher funktioniert die Teilung zwischen Studium und Autorentätigkeit sehr gut.
Und wie siehts mit Fahrradfahren, schwimmen und Co. aus?
Schwimmen im Frühjahr wieder, wenn das beheizte Freibad um die Ecke wieder öffnet. Fahrradfahren ist nicht so zwingend mein Sport. Aber man nimmt sich immer viel vor.
Hast du nicht schon mit dem Gedanken gespielt, dien Studium abzubrechen, und dich ganz deiner Tätigkeit als Autor zu widmen?
Nein, das kommt nicht in Frage. Jetzt bin ich im Studium schon recht weit, da mache ich das auch noch fertig. Man weiß ja auch nie, ob die Arbeit als Autor dauerhaft von Erfolg gekrönt sein wird. Deshalb bleibe ich da lieber vernünftig.
Wie reagieren eigentlich andere Autoren auf dich? Hast du schon spontan Post / Mails bekommen, oder geht man da als neuer Autor eher in der Menge unter?
Wie bereits erwähnt ist die Szene der Fantasyautoren eher familiär. Und man bekommt auch viel Unterstützung. Man teilt sich Lesetermine, da man dann auch meist ein größeres Publikum antrifft usw. Ich habe da bisher nur positive Erfahrungen gemacht.
Gibt es in deiner aktuellen Zeitplanung noch ein Traumprojekt, oder hast du das schon verwirklicht?
Traumprojekt: Bestseller. Stand: Ich warte noch.
Ernsthafter: Jedes Buch, das ich schreibe, ist ein Traumprojekt von mir. Also habe ich eines verwirklicht und es folgen definitiv noch weitere.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast.
Wir wünschen dir natürlich alles Gute, für deine Zukunft.
Vielen Dank und jederzeit gerne wieder.
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