Bücherwahn

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Christiane Gref

E-Mail Drucken
Christiane Gref, gilt als eine der Newcomerinnen, des letzten Jahres im Bereich Horror und Fantasy. Ihre Kurzgeschichten sind in Anthologien wie „Protokolle einer Nacht“ „12in1 Dark Fantasy“, „Seelenblut“ und „Kreaturen der Nacht“ zu finden.

Aber, bevor wir uns über ihre Karriere als Schriftstellerin und neuerdings auch als Lektorin und Co-Herausgeberin unterhalten, erst einmal eine ganz andere Frage.

 

Christiane GrefPersönliches:

Bücherwahn: Erzählen Sie uns doch einmal ein bisschen was über sich selbst und darüber, wie sie zum Schreiben gekommen sind.

Ich bin 31 Jahre alt, verheiratet, wohne in Hanau und kann leider noch nicht vom Schreiben leben, sondern arbeite hauptberuflich im Vertrieb eines Edelmetall verarbeitenden Unternehmens. Ja, wie ich zum Schreiben gekommen bin. Das war wirklich eher Zufall. Ich habe mich an der Storyolympiade beteiligt. Das war im Jahre 2004. Da machte ein Freund von mir mich auf diese Ausschreibung aufmerksam. Es ging damals um das Thema „Es lebt“. Ich habe mir damals seine Geschichte durchgelesen und da kamen mir ganz spontan so einige Ideen. Da habe ich einfach beschlossen, mich auch an diesem Geschichtenwettbewerb zu beteiligen. Die Geschichte verfehlte in der Wertung nur um zwei Zehntel das Finale. Das gab mir den Mut, weiter zu machen.

Also ein erstes Erfolgserlebnis, das sie dann dazu animiert hat, dabei zu bleiben.

Genau. Und das war auch das erste Mal, dass ich dieses typische Gefühl für Ausschreibungen erlebt habe. Diese Kribbeln und Zittern, das Warten auf die Ergebnisse. Gut, ich war zwar am Ende nicht dabei, aber meine Geschichte hatte auch nicht so schlecht abgeschnitten, dass ich es nicht noch einmal hätte probieren wollen.

Ihre Geschichte sind hauptsächlich in den Genres Horror und Fantasy angesiedelt. Wie kam es zu dieser Auswahl?

Die Auswahl ergab sich aus den Wettbewerben, die liefen. Die Ausschreibungen, welche mir gefallen haben, waren nur in diesen beiden Genres. Eine Wahl hatte ich demnach überhaupt nicht, und mich störte das auch nicht. Es war dann einfach so, dass die Geschichten sich beinahe von selbst geschrieben haben, da ich zu diesen Richtungen auch immer wieder neue zündende Ideen hatte. Außerdem lese ich selbst gern Werke aus diesen Genres.

Also kann man zusammenfassend sagen, dass auf der einen Seite auf jeden Fall Ihr eigenes Interesse an diesen Genres stand, auf der anderen Seite hat aber auch so ein bisschen das Angebot die Nachfrage bestimmt. Wie ist das denn jetzt? Mittlerweile schreiben Sie ja nicht mehr nur Kurzgeschichten. Stand für Sie da in letzter Zeit auch mal ein anderes Genre zur Debatte?

Anfangs nicht, mittlerweile versuche ich mich auch an anderen Genres. Je nachdem, ob mich ein Thema anspricht, oder nicht.

Wie darf man sich die Freizeitgestaltung eines Schriftstellers vorstellen? Verbringen Sie jede freie Minute über Ihren Texten, oder gibt es auch noch andere Hobbys in Ihrem Leben?

Nein, es gibt noch andere Hobbys. Ich lese z.B. sehr gerne. Das sollte man nicht für möglich halten, angesichts der Zeit, die ich für das Schreiben aufwende, aber das geschriebene Wort lässt mich einfach nicht los. Ich schaue gern Filme auf DVD und ich habe auch noch Tiere um die ich mich kümmern muss. Einen Schäferhund, zwei Katzen, eine Wasserschildkröte. Die fordern auch alle ihre Zeit ein, brauchen Streicheleinheiten und Pflege. Freunde treffen ist mir auch sehr wichtig. Das Schreiben macht einen automatisch zum Einsiedler, da braucht es schon einen Ausgleich.


Sie sagten grad, dass Sie so ein wenig zum Einsiedler geworden sind. Würden Sie also zustimmen, wenn jemand behauptet, dass ein Schriftsteller auch immer ein Stückweit ein Eigenbrödler ist?

Ja, ich denke, dass liegt in der Natur der Sache als Schriftsteller. Schreiben ist eine einsame Angelegenheit, einfach aus dem Grund, dass man im Endeffekt doch nur allein schreiben kann. Es kann ja niemand sehen, was in meinem Kopf vorgeht. Natürlich kann man gemeinsame Projekte machen. Aber auch da hat jeder Autor einen Part, den er allein schreiben muss. Trotzdem würde ich mich, unabhängig von meiner Schriftstellertätigkeit, im „normalen Leben“ nicht als Einzelgänger bezeichnen. Da bin ich doch eher kommunikativ veranlagt. < lacht >

Wenn ich Sie fragen würde, was Ihnen an der Schriftstellerei am meisten bedeutet, was würden Sie darauf antworten?

Das Gefühl, etwas zu Ende bringen, aber gleichzeitig zu wissen, ich kann jederzeit etwas Neues beginnen. Das hat auch mit Schreiben zu tun, der ewige Neuanfang verschiedener Projekte. Es ist eine Arbeit, die niemals endet. Außerdem sehe ich, was ich gearbeitet habe, schwarz auf weiß. Und das ist natürlich das absolut Größte, das gedruckte Resultat in den Händen zu halten.

Manche Autoren haben ein gewisses Ritual, wenn sie schreiben wollen. Ist das bei Ihnen auch so? Hören Sie bestimmte Musik, essen sie etwas Bestimmtes oder nehmen ein bestimmtes Getränk mit an Ihren Arbeitsplatz?

Ich habe ein eigenes Zimmer zum Schreiben. Das ist auch nötig, denn zum Schreibe brauche ich von der Außenwelt Ruhe. Hier steht immer ein Strauß Blumen auf dem Tisch, mein Mann bringt sie mir immer mit. Je nach Thema habe ich manchmal Kerzen an. Es kommt auch auf meine Stimmung an, was die Musik angeht. Wenn ich mich von der Stimmung tragen lassen will, höre ich Soundtracks. Lyriks lenken mich zu sehr von meinen Gedanken ab. Mein Kaffeepott steht immer mit dabei, und an guten Tagen bin ich so in das Schreiben vertieft, dass die Hälfte des Kaffees kalt wird. Wenn der Pott leer ist weiß ich, es war schreibtechnisch ein schlechter Tag. Essen ist natürlich auch wichtig. Meistens Gummibärchen. Die sind dann die reinste Nervennahrung. Und natürlich dürfen auch meine Tiere nicht fehlen. Das hat etwas Gemütliches, vermittelt Geborgenheit.

Die Frage, wo Sie am liebsten Schreiben hat sich ja damit eigentlich fast von selbst erledigt, oder?

Nicht unbedingt. Ich schreibe auch gern auf dem Balkon. Dann allerdings mit Notizblock und Bleistift, so im Stile der 1920er Jahre. Da sammle ich dann gern Stichwörter oder skizziere Geschichten vor.

Wenn Sie eine Schreibblockade haben, würden Sie dann sagen, dass der Balkon, der Block in der einen und der Bleistift in der anderen Hand helfen könnten, diese zu durchbrechen?

Nein, leider nicht. Das bringt da gar nichts. Bei einer richtigen Schreibblockade muss ich einfach mal völlig loslassen und abwarten, bis es wieder geht. Das sind dann immer Dinge, die die Zeit bringt.

Haben Sie irgendwelche komischen / lustigen / ungewöhnlichen Angewohnheiten, die Sie unseren Lesern verraten mögen?

Ja, also wenn ich beispielsweise merke, dass sich eine Schreibblockade anbahnt, dann schimpfe ich laut mit mir selbst. Dann sitze ich an meinem Rechner, haue in die Tasten meiner Tastatur und halte mir selbst eine Standpauke. Vor allem, wenn ich merke, dass so etwas wie Selbstmitleid aufkommt. Selbstmitleid ist das schlechteste Motiv, das es geben kann. Und wenn ich merke, dass das kommt, dann schimpfe ich mit mir selbst. Ja und dann ist es auch meistens recht schnell wieder gut. Nur manchmal, da hilft das leider nicht. Und was dann kommt, ja das ist dann die klassische Schreibblockade.

Wie würden Sie eine Schreibblockade für unsere Leser einmal kurz charakterisieren? Fehlt Ihnen da die Lust zu Schreiben, oder was macht eine solche Schreibblockade aus?

Nein, mir fehlt ganz sicher nicht die Lust. Es ist einfach so, dass in einem solchen Moment keine Ideen kommen. Es ist, als wäre mein Kopf völlig leer und selbst Ideen über den weiteren Verlauf einer Geschichte, die ich noch ein paar Tage vorher im Kopf hatte, sind einfach weg. Aber wie gesagt, dass ist ein Phänomen, dass sich zum Glück von selbst wieder gibt. Nur wenn das mal wieder etwas länger dauert, kann es durchaus auch deprimierend werden.

Kurz und knackig

Das mag ich ganz und gar nicht…. Schreibblockaden, Plagiate und die Rechtschreibreform

Gut finde ich…. Die Unterstützung meines Mannes und die Toleranz meiner Freunde.

Das überflüssigste was ich kenne ist…. Ein Systemabsturz meines PCs ohne erkennbaren Grund.

Meine Lieblingsnascherei….. Viel und süß und vor allem Gummibärchen

Über Ihre Arbeit:

Sie sind neben Ihrer eigenen Arbeit als Schriftstellerin noch Mitglied zweier Autorengemeinschaften. Wie lässt sich das unter einen Hut bringen? Besteht da nicht ein gewisses Konkurrenzdenken?

Nein, von meiner Seite aus nicht. Gemeinschaft bedeutet Zusammenhalt. Die Stärken des Autors werden gefördert. Seine Schwächen aber werden durch die Stärken der anderen Kollegen aufgefangen. Natürlich ist Schreiben unterm Strich immer einsam. Aber in der Gruppe kann man sich über Probleme austauschen. Das ist bei beiden Gruppen in denen ich vertreten bin so. Sowohl in der Autorengemeinschaft „Die Drachenkinder“ als auch in der Gruppe „Schwarze Tinte“.

An welchen Projekten arbeiten Sie im Moment?

Im Moment arbeite ich an diversen Kurzgeschichten, einem Gemeinschaftsprojekt der Gruppe „Die Drachenkinder“ das den Arbeitstitel „Das Siegel von Ganzir“ trägt und einem Gruppenroman mit meinen Kollegen aus der Gruppe „Schwarze Tinte“. Und ein Manuskript für die Heftromserie „Shogun“, die im VSS-Verlag erscheint, ist derzeit auch in Arbeit.

Das sind ja nun auch viele verschiedene Themenbereiche, in denen Sie da schreiben. Wie holen Sie sich Ihre Inspiration?

Die kann ich mir nicht holen. Also es funktioniert nicht, zu sagen, dass ich irgendwelche Musik höre oder mich in irgendeine bestimmte Ecke setze, um neue Inspiration zu finden Bei mir ist es eher so dass ich warten muss, bis die Inspiration zu mir kommt.

Wie sind die Leute in Ihrem Umfeld Ihrer Arbeit gegenüber eingestellt?

Durchweg positiv. In meinem Umfeld gibt es keine negativen Stimmen zu meiner Tätigkeit als Autorin.

Als wie kompliziert empfinden oder empfanden Sie es, Ihre Manuskripte bisher bei Verlagen unterzubringen?

Nicht kompliziert, da die meisten Verlage schon klar auf ihrer Internetpräsenz äußern, welche Form das einzusendende Manuskript haben muss. Die Warterei auf eine Antwort nach der Einsendung zermürbt. Das ist das Schlimmste am Schreiben. Aber da braucht man einen langen Atem und muss auch Enttäuschungen mal wegstecken können.

Können Sie angehenden Autoren unter unserer Leserschaft einen Tipp mit auf den Weg geben? Irgendetwas, was Ihnen besonders geholfen hat?

Mutig sein, nicht aufgeben. Und vor allem sich selbst immer wieder hinterfragen, ob das Erfolgserlebnis einer Veröffentlichung für einen selbst die Arbeit aufwiegt, die man hineinsteckt.

Viele Autoren träumen davon einmal den großen Coup zu landen und einen Bestseller zu veröffentlichen. Sie auch?

< lacht > Klar, denn dann würde ich endlich mal mit dem Schreiben Geld verdienen. Momentan kommt da nichts bei rum.

Seit einiger Zeit arbeiten Sie auch als Co-Herausgeberin im Rahmen Ihrer Tätigkeit in der Autorengruppe „Die Drachenkinder“. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit in einer Autorengruppe, von der als Solist? Und wie merkt man das vor allem, wenn man „auf der anderen Seite des Schreibtisches“ sitzt, also selbst aus eingesandten Geschichten diejenigen aussuchen muss, die veröffentlicht werden sollen.

Nun ja, Kommunikation muss immer stattfinden. Hierbei sind Kompromisse das Wichtigste! Der eigene Blickwinkel verändert sich durch die Arbeit. Jeder Autor, und auch jeder Lektor, beurteilt einen Text anders. Dennoch macht die Zusammenarbeit in der Gruppe großen Spaß und vor allem die Arbeit an unserem ersten großen Anthologie-Projekt „Geschichten eines Krieges“, für das die Ausschreibung noch läuft wie man auf unserer Homepage nachlesen kann, ist sehr interessant und bereichernd.

Sie schreiben unter Ihrem bürgerlichen Namen. Kam für Sie nie ein Pseudonym in Frage?

Nein, nie. Ich betrachte mein Autorendasein als untrennbaren Teil meines „sonstigen“ Lebens. Und da es für mich nie wichtig war, unerkannt zu bleiben, kam halt auch nie ein Pseudonym in Frage.

Gibt es noch etwas, was Sie unseren Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Hört nie auf zu träumen!

Frau Gref, ich danke Ihnen für dieses Gespräch, auch im Namen der Redaktion und unserer Leserinnen und Leser

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 20. Oktober 2007 um 20:13 Uhr